Wie man die Wetterstation des Nachbarn in den eigenen Home Assistant bekommt
23.08.2026
Kategorie: Technik
Wer im Mehrfamilienhaus wohnt, hat ein Problem: Für eine eigene Wetterstation auf dem Dach fehlt der Platz, die Erlaubnis und oft auch die Aussicht. Aber wenn der Nachbar gegenüber sein Gartenhaus bereits mit einer Funkwetterstation bestückt hat, liegt die Datenspur förmlich in der Luft. Man muss sie nur einsammeln.
Was funkt, kann man auch empfangen
Die meisten handelsüblichen Wetterstationen - Bresser 5-in-1, 7-in-1, Davis, Fine Offset, Ecowitt - senden ihre Messdaten im ISM-Band auf 433,92 MHz (Europa auch 868 MHz). Das sind lizenzfreie Frequenzen, und das Signal ist nicht verschlüsselt. Die Station des Nachbarn sendet ohnehin in alle Richtungen, und wer ein kompatibles Funkmodul betreibt, empfängt genau die gleichen Telegramme wie das hübsche Display im Wohnzimmer des Nachbarn. Rechtlich bewegt man sich dabei im Rahmen: es geht um den Empfang von Funk, der ohnehin in der Wohnung ankommt, nicht um das Eindringen in fremde Systeme.
Die Werkzeuge dafür sind erstaunlich günstig und gut dokumentiert. Die Open-Source-Software rtl_433 dekodiert über 200 verschiedene Funkprotokolle - von Wetterstationen über Temperaturfühler bis hin zu Türschlössern. Was man braucht ist ein Empfänger und ein bisschen Konfigurationsarbeit.
Der ESP32 als Funkempfänger
Es gibt zwei gängige Ansätze, um die Daten ins eigene Smart Home zu bringen. Der erste ist der klassische Weg über einen RTL-SDR-Dongle am Raspberry Pi: ein USB-Stick für rund 15 Euro, der als Software Defined Radio arbeitet und das gesamte Frequenzband aufzeichnet. Der Nachteil: man braucht einen dedizierten Pi oder einen Server mit USB-Anschluss.
Der elegantere Weg läuft über einen ESP32 mit angeflanschtem Funkmodul. Zwei Hardware-Kombinationen haben sich bewährt:
- ESP32 + CC1101: Das CC1101-Modul von Texas Instruments ist ein Sub-GHz-Funktransceiver, der auf 300 bis 928 MHz arbeiten kann. Es wird per SPI an den ESP32 angeschlossen und kostet um die 2 Euro. In Kombination mit der Bibliothek rtl_433_ESP für ESPHome dekodiert der ESP32 die Funktelegramme direkt und veröffentlicht sie per MQTT im Netzwerk. Der Anschluss erfordert sechs Drähte (VCC, GND, SCK, MOSI, MISO, CS) plus ein GPIO für den GDO0-Pin. Lötarbeit ist nötig, weil das CC1101-Board 2-mm-Pinraster hat, die nicht auf ein Breadboard passen.
- Heltec WiFi LoRa 32 V2/V2.1: Ein ESP32-Board mit integriertem SX1276/Sub-GHz-Funkchip. Kein Löten, kein separates Funkmodul. Die Antenne ist auf dem Board, der Versand per USB-Kabel. Das ist die schmerzfreiste Lösung für alle, die nicht löten wollen. Das Board kostet um die 15 Euro und wird ebenfalls über rtl_433_ESP in ESPHome eingebunden.
Beide Varianten unterstützen 433 MHz und 868 MHz - wichtig, weil europäische Stationen wie die Bresser 7-in-1 oft auf 868,30 MHz senden.
Die Software-Seite: ESPHome und rtl_433_ESP
ESPHome ist der De-facto-Standard, um ESP32-Geräte in Home Assistant einzubinden. Für den Funkempfänger braucht man die rtl_433_ESP-Komponente, die direkt in der ESPHome-Konfiguration aktiviert wird. Die Konfiguration gibt an, auf welcher Frequenz empfangen wird (433.92 MHz oder 868.30 MHz) und welches Protokoll dekodiert werden soll. Wer die Protokollnummer seiner Station kennt - rtl_433 listet über 200 - pinnt sie mit dem `-R`-Parameter fest und bekommt stabilere Empfangswerte ohne Fehlalarme vom Nachbar-Garagentor.
Die dekodierten Messwerte landen per MQTT im Home Assistant. Dort werden sie automatisch als Sensoren erkannt - Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit, Regenmenge, UV-Index, je nach Station. Ab da gelten die Daten wie jede andere Sensorquelle: Dashboard-Karten, Automatisierungen, Historie. „Wenn die Windgeschwindigkeit über 50 km/h steigt, schließe die Markise" ist dann eine ganz normale Automatisierung.
Reichweite und Antenne
Die Reichweite zwischen Station und Empfänger hängt von der Bauweise ab. Im Mehrfamilienhaus sind 20 bis 50 Meter durch Mauern realistisch, im Freien deutlich mehr. Eine einfache 433-MHz-Stabantenne (17,3 cm Viertelwellenlänge) oder eine 868-MHz-Antenne (8,6 cm) direkt am Modul verbessert den Empfang spürbar. Wer das CC1101-Modul mit der winzigen Spiralantenne betreibt, die mitgeliefert wird, verschenkt Reichweite. Ein kurzes Stück Draht als Monopolantenne, gelötet oder gesteckt, kostet Cent und wirkt Wunder.
Was man noch braucht
Die Einkaufsliste ist kurz: ein ESP32-Board (5 Euro), ein CC1101-Modul (2 Euro) oder ein Heltec-Board (15 Euro) samt Antenne, ein USB-Netzteil und ein paar Drähte. Auf der Software-Seite reichen ESPHome, ein MQTT-Broker (Mosquitto, oft schon im Home-Assistant-Setup enthalten) und die rtl_433_ESP-Konfiguration. Wer die Station des Nachbarn erst einmal nur belauschen will, bevor er sie ins Dashboard hängt, kann rtl_433 auf dem ESP32 im Log-Modus starten und sieht alle empfangenen Telegramme live auf der Seriellen Konsole.
Die Kurve vom „ich würde gern wissen, wie das Wetter draußen ist" bis zur funktionsfähigen Wetteranzeige im Home Assistant ist kurz. Und der Nachbar muss es nicht einmal merken.
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Was funkt, kann man auch empfangen
Die meisten handelsüblichen Wetterstationen - Bresser 5-in-1, 7-in-1, Davis, Fine Offset, Ecowitt - senden ihre Messdaten im ISM-Band auf 433,92 MHz (Europa auch 868 MHz). Das sind lizenzfreie Frequenzen, und das Signal ist nicht verschlüsselt. Die Station des Nachbarn sendet ohnehin in alle Richtungen, und wer ein kompatibles Funkmodul betreibt, empfängt genau die gleichen Telegramme wie das hübsche Display im Wohnzimmer des Nachbarn. Rechtlich bewegt man sich dabei im Rahmen: es geht um den Empfang von Funk, der ohnehin in der Wohnung ankommt, nicht um das Eindringen in fremde Systeme.
Die Werkzeuge dafür sind erstaunlich günstig und gut dokumentiert. Die Open-Source-Software rtl_433 dekodiert über 200 verschiedene Funkprotokolle - von Wetterstationen über Temperaturfühler bis hin zu Türschlössern. Was man braucht ist ein Empfänger und ein bisschen Konfigurationsarbeit.
Der ESP32 als Funkempfänger
Es gibt zwei gängige Ansätze, um die Daten ins eigene Smart Home zu bringen. Der erste ist der klassische Weg über einen RTL-SDR-Dongle am Raspberry Pi: ein USB-Stick für rund 15 Euro, der als Software Defined Radio arbeitet und das gesamte Frequenzband aufzeichnet. Der Nachteil: man braucht einen dedizierten Pi oder einen Server mit USB-Anschluss.
Der elegantere Weg läuft über einen ESP32 mit angeflanschtem Funkmodul. Zwei Hardware-Kombinationen haben sich bewährt:
- ESP32 + CC1101: Das CC1101-Modul von Texas Instruments ist ein Sub-GHz-Funktransceiver, der auf 300 bis 928 MHz arbeiten kann. Es wird per SPI an den ESP32 angeschlossen und kostet um die 2 Euro. In Kombination mit der Bibliothek rtl_433_ESP für ESPHome dekodiert der ESP32 die Funktelegramme direkt und veröffentlicht sie per MQTT im Netzwerk. Der Anschluss erfordert sechs Drähte (VCC, GND, SCK, MOSI, MISO, CS) plus ein GPIO für den GDO0-Pin. Lötarbeit ist nötig, weil das CC1101-Board 2-mm-Pinraster hat, die nicht auf ein Breadboard passen.
- Heltec WiFi LoRa 32 V2/V2.1: Ein ESP32-Board mit integriertem SX1276/Sub-GHz-Funkchip. Kein Löten, kein separates Funkmodul. Die Antenne ist auf dem Board, der Versand per USB-Kabel. Das ist die schmerzfreiste Lösung für alle, die nicht löten wollen. Das Board kostet um die 15 Euro und wird ebenfalls über rtl_433_ESP in ESPHome eingebunden.
Beide Varianten unterstützen 433 MHz und 868 MHz - wichtig, weil europäische Stationen wie die Bresser 7-in-1 oft auf 868,30 MHz senden.
Die Software-Seite: ESPHome und rtl_433_ESP
ESPHome ist der De-facto-Standard, um ESP32-Geräte in Home Assistant einzubinden. Für den Funkempfänger braucht man die rtl_433_ESP-Komponente, die direkt in der ESPHome-Konfiguration aktiviert wird. Die Konfiguration gibt an, auf welcher Frequenz empfangen wird (433.92 MHz oder 868.30 MHz) und welches Protokoll dekodiert werden soll. Wer die Protokollnummer seiner Station kennt - rtl_433 listet über 200 - pinnt sie mit dem `-R`-Parameter fest und bekommt stabilere Empfangswerte ohne Fehlalarme vom Nachbar-Garagentor.
Die dekodierten Messwerte landen per MQTT im Home Assistant. Dort werden sie automatisch als Sensoren erkannt - Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit, Regenmenge, UV-Index, je nach Station. Ab da gelten die Daten wie jede andere Sensorquelle: Dashboard-Karten, Automatisierungen, Historie. „Wenn die Windgeschwindigkeit über 50 km/h steigt, schließe die Markise" ist dann eine ganz normale Automatisierung.
Reichweite und Antenne
Die Reichweite zwischen Station und Empfänger hängt von der Bauweise ab. Im Mehrfamilienhaus sind 20 bis 50 Meter durch Mauern realistisch, im Freien deutlich mehr. Eine einfache 433-MHz-Stabantenne (17,3 cm Viertelwellenlänge) oder eine 868-MHz-Antenne (8,6 cm) direkt am Modul verbessert den Empfang spürbar. Wer das CC1101-Modul mit der winzigen Spiralantenne betreibt, die mitgeliefert wird, verschenkt Reichweite. Ein kurzes Stück Draht als Monopolantenne, gelötet oder gesteckt, kostet Cent und wirkt Wunder.
Was man noch braucht
Die Einkaufsliste ist kurz: ein ESP32-Board (5 Euro), ein CC1101-Modul (2 Euro) oder ein Heltec-Board (15 Euro) samt Antenne, ein USB-Netzteil und ein paar Drähte. Auf der Software-Seite reichen ESPHome, ein MQTT-Broker (Mosquitto, oft schon im Home-Assistant-Setup enthalten) und die rtl_433_ESP-Konfiguration. Wer die Station des Nachbarn erst einmal nur belauschen will, bevor er sie ins Dashboard hängt, kann rtl_433 auf dem ESP32 im Log-Modus starten und sieht alle empfangenen Telegramme live auf der Seriellen Konsole.
Die Kurve vom „ich würde gern wissen, wie das Wetter draußen ist" bis zur funktionsfähigen Wetteranzeige im Home Assistant ist kurz. Und der Nachbar muss es nicht einmal merken.
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